Freitag, 19. November 2010

Canadian Rememberance Day

Ich hab es irgendwie verpasst vergangenes Wochenende zu posten... ^^""

Am 11.November habe ich den Rememberance Day in Canada miterlebt. Leider gibt es kein schulfrei, obwohl es ein Nationalfeiertag ist -.- dafür aber eine Veranstaltung in der Aula. Ich hatte das Glück, diese gleich zwei mal hintereinander sehen zu dürfen. In der ersten Stunde hatte ich nämlich Spanisch und die Veranstaltung war für alle 9er und 10er (mein Spanischkurs ist Level 1 also meistens 10er xD) und dann gab's das gleiche für alle 11er und 12er.. und da ich Englisch hatte, hab ich's eben nochmal gesehen xD War aber beim 2ten mal nicht ganz so emotional wie beim ersten, finde ich.

Aber erstmal etwas zum Rememberance Day, der auch Veterans Day genannt wird, an sich.
Während der ganzen Woche konnte man in großen Kaufhäusern, unsere Schule oder in den Straßen kleine, rote Ansteckmohnblumen 'kaufen' - das ist so, wie man am Weltaidstag eine rote Schleife ersteht: Praktisch eine kleine Spende.
Warum aber gerade Mohnblumen? Nun, diese Poppies symbolisieren zum einen das vergossene Blut der Soldaten im Krieg. Und da am 11.11.1918 der erste Weltkrieg offiziell beendet wurde, findet der Rememberance Day (den es übrigens nur in Canada und ich glaube auch in England und Australien gibt) eben am 11.11 jeden Jahres statt. Außerdem gibt es noch ein sehr populäres Gedicht.

In Flanders Fields the poppies grow
Between the crosses, row on row,
That mark our place; and in the sky
the larks still bravely singing, fly
scarce heard amid the guns below. [...]

Zu Beginn der Veranstaltung in der Aula spielen die natürlich erstmal die canadische Nationalhymne. Dann gibt es einen kleinen Einzug, allen voran ein Dudelsackspieler. Dann spricht unser Schulsprecher ein paar Worte zur Bedeutung des Rememberance Day und dann kommen ein paar ESL(English Second Language)-Schüler auf die Bühne, um etwas von ihren Heimatländern und den dort herrschenden (oder vergangenen) Kriegen zu erzählen. Es war nur sehr kurz, aber trotzdem ist dieses Vorführen schon irgendwie typisch Amerikanisch. Nicht, dass Krieg nicht schlimm, aber die meistens dieser Schüler haben auch nicht mehr Ahnung oder Erfahrung damit, als die canadischen Schüler, was man daran gemerkt hat, wie weit entfernt diese Kriegsgeschichten doch waren. Ein Mädchen aus dem Kongo allerdings hat ein sehr berührendes Gedicht geschrieben, über die Menschen die dieses Unglück so wahllos verbreiten. :)

Dann kommt ein Soldat, der das Ganze etwas vertieft. Dazu wird eine Diashow mit Bildern vom Krieg gezeigt - fand ich auch irgendwie typisch Ami :D
Manche Bilder haben aber auch alte, ehemalige Soldaten gezeigt, wie sie in ihren Uniformen und mit den Poppies am Rememberance Day zusammenkommen, zusammen lachen und doch auch ihren verstorbenen Kameraden gedenken. Berührend war dann aber wirklich ein Video, dass anschließend abgespielt wurde.
Das Musikvideo zu A Pittance of Time basiert auf einer wahren Geschichte und spielt eben am 11.11 und 11.11, denn zu dieser Uhrzeit gibt es eine Schweigeminute. Als diese Durchsage im Supermarkt kommt, will ein Mann das einfach nicht einsehen und kauft fröhlich weiter ein und möchte die Kassiererin dazu bringen, seine Sachen einzuscannen, damit er keine Zeit vergeudete. Seine kleine Tochter schämt sich für ihren Vater und dann sieht man im Video die Soldaten durch den Supermarkt marschieren und letzten Endes sieht der Vater ein, dass 2 Minute wirkliche eine verschwindend kurze Zeit sind, die man aufbringen sollte. Dem Musiker ist die Idee zu dem Song gekommen, als er diesen Menschen auf dem Überwachungsvideo des Supermarkts gesehen hat. Viele Schüler waren (schon fast) zu Tränen gerührt. Als ich beim 2ten Mal weiter vorne saß habe ich auch noch die Frau gesehen, die den Text für ein paar Leute in Zeichensprache übersetzt hat - ich glaube, das ist nicht zu erklären, aber das hat mich wirklich berührt.

Es folgte noch ein Video, das die Geschichten zweier ehemaliger Glebe-Schüler gezeigt hat, die nach ihrem Abschluss sofort in den Krieg ziehen mussten und darin auch umgekommen sind.

Zum Schluss haben dann ein paar ausgewählte Personen (Schulleiter, Schülersprecher, Polizei, Soldat) repräsentativ ein paar Kränze vor ein Kreuz gelegt - anschließend wurde den verstorbenen Soldaten für 2 Minuten in Stille gedacht.

...

In der Stadt gab es große Paraden und was ich besonders schön fand war, dass die Busse an diesem Tag besonders häufig nicht 'Out of service' oder 'Hors service' auf ihren Leuchttafeln anzeigten, wenn sie nicht im Dienst waren, sondern die Worte 'Lest we forget' oder eben 'Nous nous souvierons' aufleuchteten :) Und natürlich trugen so ziemlich alle Leute Poppies an ihren Mänteln...


Letzten Samstag hab ich dann noch ein Photo von einem Denkmal in der Nähe vom Parlament machen können, auf dem viele Leute ihre Poppies niedergelegt hatten.


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